Fabian Jacobi in der Abteilung Tischtennis – erfolgreiche Inklusion

„Das hätten die Ärzte nicht geglaubt“ – Obwohl Fabian Jacobi normalerweise auf einen Rollstuhl angewiesen ist, spielt er Tischtennis beim SV DJK Viktoria

Dass Fabian Jacobi eines Tages wie jeder andere Jugendliche in ein „normales“ sportliches Vereinstraining gehen würde, war einst nicht zu ahnen. „Das hätten die Ärzte nicht geglaubt“, sagt Bettina Jacobi, die Mutter des inzwischen Neunjährigen. Sie steht dabei in der  kleinen Sporthalle des SV DJK Viktoria – bei einer Übungseinheit des Tischtennis-Nachwuchses der Grün-Weißen.

Das Beitragsfoto zeigt Fabian Jacobi (4. v.l.) im Kreise  seiner Mannschaftskameraden und mit Trainer Peter Fritz (r.).


„Für den DJK-Diözesanverband ist das Thema Inklusion ein sehr wichtiges – und bei uns im Verein wird es ganz selbstverständlich gelebt“, sagt Peter Fritz. Er coacht die Anfängergruppe, in der seit mittlerweile einem Jahr auch Fabian mitmischt. Der späte Dienstagnachmittag ist der Termin, auf den sich der junge Dieburger die ganze Woche über freut. Zumal er nicht fremdbestimmt in die Mannschaft gesteckt wurde, sondern sich „seinen“ Sport beim Klub am Schwimmbadweg selbst ausgesucht hat – schwierige  Voraussetzungen hin oder her.

Denn Fabian kann nicht normal gehen wie jedes andere Kind. Als er vor neun Jahren zusammen mit seinem Zwillingsbruder auf die Welt kam, eine Schwester hat er außerdem noch, war sein Körper  komplett versteift. „Er hat als Säugling dagelegen wie ein Fragezeichen. Nach acht Monaten haben wir mit Gymnastik angefangen“, erzählt seine Mutter. Ab dem zweiten Lebensjahr kam therapeutisches Reiten dazu. Auch sonst scheute seine Familie auch gegen diverse Widerstände keine Kosten und Mühen, trotz der Spastik in beiden Beinen für deren bestmögliche Beweglichkeit zu sorgen. Mit zunehmendem Erfolg, den auch Fachleute so nicht erwartet hätten: Zunächst ging Fabian mithilfe eines Rollators.

Heute ist er zwar noch auf einen Rollstuhl angewiesen, trägt Carbon-Orthesen (Bettina Jacobi: „Hier unterstützt uns immer ganz toll das Sanitätshaus Klein“), kann aber ohne Hilfe auch selbst einige Schritte gehen. So wie in der Sporthalle des SV DJK Viktoria. Dorthin führte ihn zunächst sein grundsätzlicher Wunsch, zusammen mit anderen aktiv zu sein. „Das therapeutische Reiten allein hat ihm nicht gereicht – er wollte Sport in einem richtigen Verein machen“, sagt seine Mutter. Fabian, bereits als Sieben-, Achtjähriger recht internetaffin, recherchierte selbst nach Möglichkeiten in Dieburg, interessierte sich besonders für Tischtennis. Den entscheidenden Hinweis, dass das in der Stadt beim SV DJK Viktoria möglich ist, gab dann aber doch Bettina Jacobi.

Am Schwimmbadweg wurde Fabian mit offenen Armen empfangen – nicht nur von Trainer Fritz. „Auch für die anderen Jugendlichen, die allesamt älter sind als Fabian, war das nie ein Thema“, freut sich der Coach über den selbstverständlichen Umgang. Auch bei der Einteilung von Doppeln gebe es im Training kein Murren, wenn jemandem Fabian zugeteilt würde. Der hat als Anfänger und mit der körperlichen Einschränkung zwar Nachteile beim Spielen, kann etwa die optimale Position etwas hinter der eigenen Plattenhälfte nicht einnehmen, hält sich mit einer Hand stattdessen auf seiner Seite fest. „Das stört aber niemanden“, sagt Fritz.

Fabian selbst hat ganz offensichtlich seine große Freude, mittendrin zu sein. Das ist bei ihm auch sonst so: „Er geht schon immer auf eine Regelschule, die Gutenbergschule“, sagt seine Mutter. Ein Integrationshelfer macht es möglich. Wenn Fabian in seiner Freizeit nicht übers Netz schmettert und mit seinen Mitspielern Spaß hat, faszinieren ihn PS: „Autos sind sein Ding. Er liebt es, zusammen mit seinem Vater im Käfer unterwegs zu sein.“ Außerdem schaue er gern bei den Kämpfen der Dieburger Ringer zu. Nicht vergessen dürfe auch seine Leidenschaft für die Fastnacht: Bei der Gruppe „Die Räuber“ fährt er bei den Umzügen auf dem Traktor mit.

Dieser Artikel wurde von Jens Dörr verfasst und ist im Dieburger Anzeiger erschienen. Wir danken allen Beteiligten, dass wir ihn hier veröffentlichen dürfen.