Hut ab vor Torben Große!

Da für das Heimspiel unserer 1 B gegen die FSG Heubach/Wiebelsbach wieder einmal kein offiziell eingesetzter Schiedsrichter zur Verfügung stand, sprang unser Jung-Schiedsrichter Torben Große (er gehört dem jüngeren B-Junioren-Jahrgang an) kurzerhand ein und übernahm die Leitung des Spiels. Und das machte er ganz ausgezeichnet, auch wenn wie üblich in Spielen der Kreisliga D mit nachlassender Kondition einige Akteure immer mehr an vielen Pfiffen irgendetwas herumzukritisieren hatten.

Torben bewahrte Ruhe und Übersicht und blieb bei seiner korrekten Linie. Großartig aber war, wie Torben in der letzten Aktion der Begegnung genau die richtige Entscheidung traf und trotz ebenso vehementer wie völlig unangebrachter Reklamationen vor allem von älteren Spielern der Gäste, aber auch von den Betreuern, bis hin zu lauten Beschimpfungen. die gelegentlich sogar über die Grenze zur persönlichen Beleidigung hinausgingen, unbeirrt daran festhielt.

Schiedsrichter Torben Große

Das war geschehen: Unser 1B-Spieler-Trainer Stas Depperschmidt verhinderte einen weiteren Treffer der Gäste, die zu diesem Zeitpunkt, Sekunden vor dem Spielende, bereits mit 3:4 in Führung lagen, durch ein Handspiel kurz vor der Torlinie. Völlig regelkonform verhängte Torben den fälligen Handelfmeter und zeigte Stas die Gelbe Karte. Offenbar in Unkenntnis der für die laufende Saison in Kraft getretenen Regeländerung, die eine „Doppelbestrafung“ ausschließt, forderten die besagten Gäste die Rote Karte.

Kurz nach dem von unserem Torwart Niklas Jank stark abgewehrten Strafstoß folgte der Schlusspfiff. Auch danach konnten sich einige Spieler und Betreuer der Gäste trotz ihres Sieges nicht beruhigen und schimpften weiterhin auf den Schiedsrichter, der ja „überhaupt keine Ahnung“ habe. Auch die Mahnungen besonnener Zuschauer mit Hinweisen auf die geltenden Regeln vermochten sie nicht von ihrer abwegigen Sicht der Dinge abzubringen.

Bevor man sich über die Regelanwendung eines Schiedsrichters derart laut auslässt, sollte man sich doch selbst zuerst einmal über mögliche Neuerungen Informieren. Dann hätten die Kritiker mitbekommen, dass Torben absolut korrekt entschieden hatte. Mit etwas Abstand und der dazu erforderlichen Einsicht sollten sich einige Heubacher Spieler und Anhänger einmal in Ruhe überlegen, ob nicht aus sportlichen Gründen eine Bitte um Entschuldigung angebracht wäre.

Zudem gebieten es die gerade in letzter Zeit allenthalben wortreich geforderte Fairness und der eigentlich selbstverständliche Respekt vor dem Unparteiischen ohnehin, auch einmal eine vermeintlich falsche Entscheidung hinzunehmen.

Ein typisches Beispiel für die neue Regel gab es wenige Tage zuvor in einem Spiel des FC Bayern München zu bewundern: Innenverteidiger Jerome Boateng zog die „Notbremse“ um einen gegnerischen Stürmer am unmittelbar bevorstehenden Torabschluss zu hindern. Der Schiedsrichter hatte den Tatort innerhalb des Strafraums gesehen und verhängte insofern regelkonform neben dem fälligen Strafstoß „nur“ die Gelbe Karte gegen Boateng (nicht „Rot“ es wie noch in vorigen Saison vorgeschrieben war). Der Videoassistent jedoch korrigierte den Schiedsrichter dahingehend, dass das geahndete Foul noch außerhalb des Strafraums geschehen war. Folgerichtig gab es nur einen direkten Freistoß für die angreifende Mannschaft, gegen Boateng aber musste die Rote Karte gezogen werden.

Manfred Kähler